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MEERSCHWEINCHEN: EINZELTIERE ODER GRUPPEN?

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Wir fallen gleich mit der Tür in das Haus: Eine Einzelhaltung von Meerschweinchen ist nicht artgerecht und führt zu Kurzlebigkeit und mentalen Störungen!

Mit so einer konsequenten Aussage sind Sie nicht einverstanden? Das glauben und gewähren wir Ihnen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese Behauptung nur ungerne von Meerschweinchenhaltern, welche Einzeltiere pflegen, stehen gelassen wird. Besitzer von Einzeltieren betonen dabei immer wieder, dass ihr Meerschweinchen durchaus glücklich und zufrieden ist und man dem Meerschweinchen nichts von dem Fehlen eines Artgenossen anmerkt. Auch die Gesundheit wäre in Ordnung. Und Verhaltensstörungen wären ebenfalls nicht da.

Der Psychologe in uns bemerkt aber sofort, dass der überwiegende Teil der Meerschweinchenhalter von Einzeltieren sofort in die Verteidigung über geht. Warum macht er das? Wenn er doch von seiner Einstellung überzeugt erscheint, wäre das doch gar nicht nötig?

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Die Argumente von Haltern mit Einzeltieren

Die gerade genannten Argumente für die Einzelhaltung möchten wir nicht pauschal verurteilen, denn aus Sicht der Meerschweinchenhalter ist es im ersten Moment durchaus berechtigt, so zu empfinden.
Statt dessen möchten wir uns die vorgebrachten Argumente einfach genauer ansehen und analysieren.

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Mein Meerschweinchen ist als Einzeltier sichtbar glücklich und zufrieden

Zugegeben - wir haben selten einzeln gehaltene Meerschweinchen gesehen, die bei einer ansonsten guten Haltung wirklich unglücklich ausgesehen haben. Viele dieser Meerschweinchen sind auch als Einzeltiere munter und aufgeweckt und reagieren zutraulich auf die Menschen in ihrem Haushalt.

Nur - Halter einer größeren Meerschweinchengruppe wissen, dass die Auffassungen von "Glück" weit auseinandergehen. Da sie durch ihre Erfahrungen einen direkten Vergleich zwischen Einzeltier und Meerschweinchengruppe ziehen können, setzen Gruppenhalter einen anderen Maßstab um ein Meerschweinchen als glücklich zu bezeichnen, wie es der Halter eines Einzeltieres tut.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass der Halter eines Einzeltieres keinen Vergleich zu anderen Meerschweinchen ziehen kann, da er ja keine weiteren Meerschweinchen hat. Wie kann er sich so sicher sein, dass sein Meerschweinchen durch und durch glücklich ist?
Halter, die größere Vergleichsmöglichkeiten haben, erkennen in der Einzelhaltung zwar einen "befriedigenden Eindruck", aber wer weiß, wie glückliche Meerschweinchen aussehen, der würde ein Einzeltier nicht als glücklich bezeichnen. Einzeltiere haben sich oft mit der Situation arrangiert - was bleibt ihnen auch anderes übrig? Aber glücklich - das sind sie nicht.

Viele ehemalige Halter von Einzeltieren bestätigen einige Monate nach einer geglückten Vergesellschaftung, dass die Meerschweinchen noch einmal aufgeblüht sind - obwol sie auch vorab zufrieden erschienen. In dieser Äußerung zeigt sich eine stilistische Feinheit, die wir gerne betonen würden. Wo vorher von einem glücklichen Meerschweinchen die Rede war, wird nach einer Vergesellschaftung plötzlich das Wort "zufrieden" eingesetzt.

Wir haben in über 10 Jahren keinen einzigen Meerschweinchenhalter kennen gelernt, der die Vergesellschaftung (s)eines Einzeltieres bereut hätte, oder dem sie zumindest nachträglich egal gewesen wäre.

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Mein Meerschweinchen hat als Einzeltier keine Verhaltensstörungen

Auch dieses Argument stimmt erst einmal grob gesehen. Ansonsten gut gehaltene einzelne Meerschweinchen haben meist keine auffälligen Verhaltensstörungen. Meerschweinchen sind allerdings Gruppentiere und haben untereinander ein sehr ausgeprägtes soziales Verhalten. Sie haben ihre Sprache - die nur ein Artgenosse richtig versteht. Und sie haben Rituale, die sie nur mit Artgenossen richtig ausführen können. Geht das soziale Gespür eines Meerschweinchens verloren, dann kommt es zu einer Verhaltensstörungen in der Sozialkompetenz.

In Einzelhaltung fällt das Verkümmern des sozialen Verhaltens kaum auf. Von daher wird oft behauptet, es gäbe keine Verhaltensstörung. Doch wie soll man einem Meerschweinchen anmerken, ob sein Sozialleben verkümmert, wenn es kein Sozialleben hat?

Auffällig wird die Störung im sozialen Verhalten erst dann, wenn das Einzeltier nach langer Zeit wieder auf einen Artgenossen trifft. Deswegen sind Einzeltiere so schwierig zu Vergesellschaften. Es hat einfach verlernt, wie gut ihm ein Gefährte tut.

Verhaltensstörungen im sozialen Bereich sind bei einem Einzeltier unvermeidbar, da es sich irgendwann kaum noch daran erinnert, wie ein Zusammenleben mit Artgenossen funktioniert. Und dieser Verlust wirkt sich beim Einzeltier irgendwann auch auf den Alltag aus. Meerschweinchen, die Artgenossen haben, pflegen einen offeneren und ausgeglicheneren Umgang mit ihren Haltern. Vor allem deshalb, weil sie sich in der Gruppe das holen können, was Ihnen der Mensch nicht geben kann. Selbst die größte Liebe des Meerschweinchenhalters kann nicht ersetzen, was ein Artgenosse in den Alltag einbringt.

Und genau dieses kleine Etwas sorgt dafür, dass Meerschweinchen aus Gruppen glücklicher und ausgeglichener als Einzeltiere sind, wenn sie Umgang mit dem Menschen haben. Sie wissen, dass sie nach dieser Situation wieder zu ihrem Meerschweinchen Kumpanen zurück dürfen.

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Die Einzelhaltung macht Meerschweinchen nicht anfälliger für Meerschweinchenkrankheiten

Es gibt viele gesundheitliche Bereiche, in denen es auf Grund äußerer Umstände oder genetischer Veranlagung plötzlich zu Krankheiten des Meerschweinchens kommen kann. Wenn solch ein Unglück passiert, dann kann man selten die Einzelhaltung dafür verantwortlich machen.

Trotzdem ist es so, dass eine Einzelhaltung sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Handelt es sich um ein einzelnes Meerschweinchen, dass sehr sozial veranlagt ist, dann leidet es unter der Situation. Diese Haustiere sind, wenn sie unglücklich sind, anfälliger für Krankheiten. Das Immunsystem eines gesunden Meerschweinchens ist oft deutlich belastbarer als das eines Meerschweinchens in Einzelhaltung.

Bei allen anderen Krankheiten des Meerschweinchens zeigt die Erfahrung, dass die Anwesenheit eines anderen Meerschweinchen dem erkrankten Haustier bei der Genesung hilft. Gerade im Krankheitsfall braucht ein Meerschweinchen ein anderes, das ihm körperliche Wärme und Nähe vermittelt. Das Sozialleben bürgt für einen nicht unwesentlichen Prozentsatz für eine bessere Erholung von Meerschweinchenkrankheiten.

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